die Stadt Kecskemét

Kecskemét ist eine Stadt mit Komitatsrecht, sie fungiert als Sitz von Komitat Bács-Kiskun. Nach der Zahl ihrer Bewohner ist die Stadt die achtgrößte, nach der Größe des Verwaltungsgebietes die siebtgrößte Siedlung von Ungarn. Etwa 22% der Einwohner von Komitat Bács-Kiskun leben i n Kecskemét.

Das Rathaus

Das Rathaus auf dem Hauptplatz gehört zu den schönsten Bauten des Jugendstils und ist eines der bekanntesten und meist besichtigten Baudenkmäler der Stadt.   Es wurde aufgrund der Entwürfe von Ödön Lechner und Gyula Pártos gebaut. Zu jeder vollen Stunde erklingt das Glockenspiel an seiner Fassade, wobei Werke von Kodály, Erkel und Beethoven zu hören sind. Seine Wände sind mit Zsolnay-Majolica geschmückt, was auch bei anderen Gebäuden von Kecskemét zu beobachten ist. An den Wänden seines Festsaals hängen Gemälde von Bertalan Székely.

Die Franziskanerkirche

Dem Rathaus gegenüber befindet sich das älteste Baudenkmal von Kecskemét, die im 14-ten Jahrhundert errichtete Franziskanerkirche, die von den Einheimischen auch Brüderkirche genannt wird. Ihr ursprünglicher Stil war gotisch, und nach mehrfachem Umbau gewann sie ihre Barockzüge. An ihrer äußeren Wand entlag errichtete man auch einen Kreuzesweg. Es ist von religionsgeschichtlicher Bedeutung, dass sie bis 1564 sowohl von Katholikern als auch von Protestanten benutzt wurde.

Das Theatergebäude

Das aus dem Anlass der Milleneumsfeste gebaute Theater wurde nach dem berühmten Sohn der Stadt József Katona benannt, der der Autor des ersten ungarischen Dramas ist. Dass das Theater an das Budapester Vígtheater erinnert, ist kein Zufall, da beide Gebäude aufgrund der Entwürfe der berühmten Wiener Architekten Hellmer und Fellner aufgebaut wurden. Von den Einheimischen wird das Gebäude auch Schatzdose genannt.

Die Dreieinigkeitssäule

Die Dreieinigkeitssäule vor dem Theater ist ein Andenken an die Pestseuche, der ein Zehntel der Stadtbevölkerung zum Opfer fiel. Das im Jahr 1742 errichtette Denkmal ist von den Gestalten von Sankt Sebastian, Sankt Rochus, Sankt Elisabeth vom Árpád-Haus und demheiligen ungarischen König Stefan umgeben.

Die reformierte Kirche

Die Zweikirchengasse (Kéttemplomköz) führt zu der reformierten Kirche, die in den 1680-er Jahren im Barockstil gebaut wurde. Sie war die einzige Steinkirche auf dem von den Osmanen eroberten Gebiet von Ungarn. Es ist eine Besonderheit des Hauptplatzes, dass man da die Kirchen von fast allen Religionsrichtungen finden kann.

Das Neue Kollegium (Újkollégium)

Auf dem Kálvinplatz, gegenüber der reformierten Kirche steht das im Jahr 1912 gebaute Neue Kollegium. Das mit siebenbürgischen Motiven gezierte Schloss trägt auch Züge des Jugendstils. Es beherbergt die Grundschule und das Gymnasium der reformierten Kirche. 

Das sogenannte Zierpalast („Cifrapalota”)

Rechts von dem Neuen Kollégium sind zwei bekannte Denkmäler zu sehen. Rechts steht das nach Entwürfen von Géza Márkus 1902 gebaute  Meisterwerk des Jugendstils, das „Zierpalast” (in einem ungarischen Kinderlied wird dieses Gebäude auch besungen). Durch seine wellige Wandoberflächen, glänzenden Dachziegel, Pflanzen-und Tiermotive aus Keramik wurde das Gebäude ein einzigartiges Meisterwerk. 

Die Synagoge

Gegenüber dem Neuen Kollegium steht die ehemalige, im romantischen Stil gebaute Synagoge.

Die Große Kirche

Die Bauarbeiten der zwischen 1774 und 1806 errichteten Großen Kirche, die ein bedeutendes Gebäude des Hauptplatzes ist, zogen sich in die Länge, da ihr Turm mal bei einem Brand, mal bei einem Erdbeben zerstört wurde. Das ist die größte, im Zupfstil gebaute Kathedrale auf der Großen Ungarischen Tiefebene. Ihre Glocke wiegt 2400 kg, und zu ihrem Turm von 74 m führt eine Treppe mit 94 Stufen hinauf.

EIN BERÜHMTES PRODUKT DER STADT KECSKEMÉT: der Kecskeméter 

Aprikosenpálinka

Was für die Schotten der Whisky und für die Franzosen der Kognak ist, ist für die Ungarn der zu Recht beliebte Kecskeméter Aprikosenpálinka.

BADEKULTUR

Die südliche touristische Region der Großen Ungarischen Tiefebene ist einer der sonnigsten Teile von Ungarn, und Dank ihrer zahlreichen Thermalquellen ein Paradies für die Erholungs- und Heilungssuchenden.

Das Thermalwasser von Kecskemét wurde im Jahr 1987 zum Heilwasser erklärt. Es enthält alkalisches Wasserstoffkarbonat, Chlorid, Jodid und Fluorid, und ist nicht nur für Heilung von Bewegungsorganen und Sportverletzungen sondern auch von gynekologischen Krankheiten geeignet. Alleinstehend in Ungarn ist es Dank seinem hohen Jodid- und Fluoridgehalt auch bei der Behandlung der Bechterewschen Krankheit wirksam.

Das Schwimmbad ist das ganze Jahr hindurch im Betrieb. Auf seinem Gelände befinden sich drei Thermalbecken mit unterschiedlichen Temperaturen, und ein, im Jahr 2003 eröffneter Erlebnis- und Rutschpark.

Das im Jahr 2004 eröffnete, 25 m lange, babygerechte  Lehrschwimmbecken (Wassertemperatur 30 Grad) erwartet auch seine Gäste.

ORTSPEZIFISCHE PROGRAMME

Kecskeméter Sommerfestival – Juli
Kodály-Kunstfestival  - Juli, August

„Hírös Hét” Festival (Benannt nach der „berühmten” Stadt Kecskemét)

Weinlesefest von Kecskemét – September
Kecskeméter Volksmusiktreff – September
Hirschbrüllen in Császártöltés – September

Besuch im Zeichentrickfilmstudio von Kecskemét

Aufführung der Pferdeknechte („Tschikosch”) in Bugacpuszta

Programmbuchungen für Einzelgäste

Betriebsbesuch in der Pálinkabrennerei Zwack 
„Meisterstück der Sezession” – Besuch im Festsaal des Rathauses von Kecskemét

Spaziergänge im Nationalpark Kecskemét
Ein Tag auf der Pusta – Gulaschparty nach ungarischer Art

Rundflug mit Heißluftballon
 

KULTUR

Musikpädagogisches Institut Kodály Zoltán

Im in der alten Fußgängerzone von Kecskemét stehenden ehemaligen  Franziskanerkloster ist das  Musikpädagogische Institut Kodály Zoltán  beherbergt. Da ist auch die Ausstellung über den Lebensweg des Komponisten und Musikpädagogen Zoltán Kodály (1882-1967) zu besichtigen. Das im Jahr 1975 errichtete Institut hat sich das theoretische und praktische Weitergeben des musikpädagogischen Konzepts von Zoltán Kodály zum Ziel gesetzt.
 

 

Das Zierpalast

Kecskemét erwartet die Besucher mit einer weiten Palette an Museen, alleinstehenden Sammlungen, wo sich jeder nach Wunsch und Interesse das Passende aussuchen kann.

Das Museum József Katona
Zierpalast – Galerie Kecskemét
Gedenkhaus József Katona
Kecskeméter Keramikstudio
Sammlung der Internationalen Werkstatt der Emaillekunst
Ungarisches Fotografiemuseum
Museum der ungarischen naiven Kunst
Museum Ráday
Medizin- und pharmahistorisches Museum
Spielzeugmuseum und Werkstatt Szórakaténusz („Sorakatenus”)
Weinmuseum im Kellner mit Fackeln an der Wand – Weinprobe - , Weinpräsentationen, Vorstellungen
Sammlung der volkstümlichen Gewerbekunst

Sammlung Bozsó
Instrumentensammlung Leskowsky

Haus der Wissenschaft und Technik
Festsaal des Rathauses Kossuth Platz 1.
Früchtepálinkabrennerei und Ausstellung Zwack 
Bahnfof der Kecskeméter Kleinbahn und das Schmalspurbahnfreilichtmuseum.

Puppentheater Ciróka
Theater József Katona
Kammertheater
Betriebstheater
 

DIE GESCHICHTE DER STADT

Kecskemét stellt eins der interessantesten Beispiele der Stadtentwicklung dar.
Seine Entwicklung steht zwar im Großen und Ganzen den anderen Städten der Ungarischen Tiefebene nah, aber es unterscheidet sich auch in mehrfacher Hinsicht von ihnen.
Die Siedlung, die schon seit sechs und halb Jahrhunderten das Stadrecht besitzt, verfügte im Feudalismus als Besitztum der Königin, dann später als Marktstadt des Gutsherren über bedeutende Freiheiten. Die Befreiung von den Lehnpflichten wirkte positiv auf die Entwicklung der Stadt aus. Sein besonderer rechtlicher Status während der Osmanenherrschaft ermöglichte ihr Fortbestehen, dann wurde ihre weitere Entwicklung durch Großviehzucht – und Handel gesichert. Nach der Abschaffung ihrer Abhängigkeit vom Gutsherrn zeichnete sich die Stadt durch ihre Rolle in der Verbreitung des Wein- und Obstbaus und der Gärtnerei aus. Der unnütze laufende Sand wurde durch Fleiß, Übernahme- und Innovationsbereitschaft und unglaublichen Lebenswillen der Einheimischen in „goldenen Sand” verwandelt.

Die Spuren der sich um die Stadt niederlassenden Völker gehen auf die Steinzeit zurück. Im ersten Jahrhundert vor Christi lebten auch Sarmaten und Germanen auf diesem Gebiet. Archeologische Befunde zeugen davon, dass den Stürmen der Völkerwanderung lange standhaltenden Awaren und bulgarische Slawen länger oder kürzer hier angesiedelt waren. 

Am Anfang der Árpádenzeit war der nördliche Teil von Kiskunság im königlichen Besitz, aber die Stadt Kecskemét gehörte der Königin. Durch ihre Lage an dem Nord-Süden-Handelsweg bzw. ihre Markt- und Zolltätigkeiten verschaffte sich die Stadt bedeutende Vorteile gegenüber den herumliegenden Siedlungen.

Das 16. Jahrhundert verlief auch in Kecskemét im Zeichen der Reformation. Zunächst fassten die Ansichten von Luther, dann von Kálvin hier Fuß. Die Anzahl und Organisiertheit der Protestanten ermöglichte für sie bald die Gründung einer eigenständigen Kirche. 1564 einigten sich die Angehörigen der alten und der neuen Religionen nicht nur über die Benutzung der Kirche, sondern auch über ein friedliches Nebeneinanderleben. Diese Toleranz wirkte sich für eine längere Zeit musterhaft in Ungarn aus. Zu dieser Zeit wurde der Psalm 55 übersetzt, der später durch das Werk von Zoltán Kodály  Weltbekanntheit erlangte.

1526, nach der Niderlage von der Stad Mohács gehörte Kecskemét zu dem von den  Osmanen eroberten Teil Ungarns, aber durch sein besonderen rechtlichen Status wurde es vor der unbegrenzten Ausbeutung der Gutsherren verschont. Als ein Landgut des Sultans verfügte es über gewisse Privilegien, und seine Bewohner lebten im Vergleich zu den Bewohnern der benachbarten Dörfer relativ frei. Aber außer der an die Osmanen geleisteten hohen Steuern, Gebühren, und aus verschiedenen Gründen erwarteten Geschenke hatte die Stadt auch den Gutsherren Steuern zu zahlen. Trotz aller Schwierigkeiten und Belastungen war Kecskemét eine der bedeutendsten Städte auf dem Gebiet zwischen der Theiß und Donau. Die Bewohner der benachbarten Dörfer suchten hier Zuflucht vor der Ausbeutung durch die Tataren und Osmanen. Die Stadt nahm dann die Gebiete der verlassenen und ruinierten Dörfer gegen geringe Bezahlung an die osmanischen und ungarischen Herren in Benutzung.

Eine Insel auf der Großen Ungarischen Tiefebene – so nannte Ferenc Erdei in den 1930-er Jahren die Stadt Kecskemét, die nach den Kriegsjahren und widersprüchigen Tagen der Räterepublik nach einer befriedigenden Position unter den ungarischen Städten, und nach einem Ausweg aus der Wirtschaftskrise suchte, von der auch Kecskemét nicht verschont blieb. Die Stadtführung fand die Lösung in der Aufkurbelung des Wein-, Obst- und Gemüsebaus. Die Gartenkultur von Kecskemét sorgte landesweit fürs Aufsehen.  Von der ersten Veranstaltung des Kecskeméter Festes „Hírös hetek” im Jahr 1934 hat man sich versprochen, die Wirtschaft und tourismus der Sadt in Aufschwung zu bringen. Zsigmond Móricz hat als erster für diese Veranstaltung geworben. László Németh, der in den dreißiger Jahren mit der Stadt in näheren Kontakt kam, formulierte folgenderweise: „Als ich die Idee des Gartenlandes Ungarn zum Element des öffentlichen Denkens machte, dachte ich eigentlich daran, das ganze Land nach dem Kecskeméter Muster umzugestalten.

Kecskemét nannte sich in der Zwischenkriegszeit die Stadt der Früchte und der Kinder, und bemühte sich, sich zu einer bedeutenden Schülerstadt zu entwickeln. Um diesem Ziel gerecht zu werden, investierte man wesentliche Summen in den Ausbau des Sculwesens. Auch während der Klebergschen Schulreform hat man der Stadt eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Zu dieser Zeit erreichte die Stadt in mehreren kulturellen Bereichen ein Niveau, das die lokalen, lokalpatriotischtischen Erwartungen weit überstieg.  Ihr musikalisches Leben, ihre Bibliothek und ihr Museum fanden auch bei den bekanntesten Fachleuten Anerkennung. Eine von ihrer Druckereien, die sogenannte Akziendruckerei vertrat ein hervorragendes Niveau und eine moderne Denkweise. Die besten Autoren des damalegen literarischen Lebens ließen ihre Werke da erscheinen.

Bis zum Ende der 70-er machte die Stadt einen Wandel in der wirtschaftlichen Struktur durch, und für ihre veränderte Funktion im Verwaltungssystem bzw. für die neuen Instiutionen sind die traditionellen Rahmen einer Marktstadt zu eng geworden. Das brachte auch in das Stadtbild neue Züge, aber das erstrangige Ziel der Städteführung war, die zentrale Position der Stadt in kulturellen und wissenschaftlichen Bereichzen zu erweitern, und in der zweiten Hälfte der 80-er versuchte man die Mängel der Infrastruktur und der krisennahen Situation in Industrie und Landwirtschaft  auch dadurch zu verschleiern.
Die Wende eröffnete den Weg vor den verschiedensten Unternehmen, und das neu erwachende bürgerliche Bewusstsein brachte die Entwicklung der Stadt erneut in Schwung.